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Kompetenz in der Windenergie

Obwohl die Windenergie-Industrie boomt und insbesondere bei der Offshore-Windenergie neue Berufsperspektiven entstehen, leidet die Windenergiebranche unter dem allgemeinen Fachkräftemangel. Nicole Kadagies geht der Frage nach, woran das liegt und zeigt, dass es durchaus Qualifizierungsmöglichkeiten für gesuchte Fachkräfte gibt.

Strukturierte und differenzierte Qualifizierungsangebote wie grundständige Studienangebote sind erst im Aufbau, was die Situation am Arbeitsmarkt weiter verschärft. Gleichzeitig steigen die Dimensionen der Projekte und die Anforderungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Herstellern, Zulieferbetrieben oder Dienstleistern gleichermaßen. Vor diesem Hintergrund
steht die Windbranche als einer der wichtigsten industriellen Wachstumsmärkte vor einer großen Herausforderung. Anspruchsvolle Aufgaben ergeben sich schon durch die Größe der Windenergieanlagen: Rotoren mit über 125 Metern Durchmesser, Höhen von 150 Metern und einer Leistung von derzeit bis zu fünf Megawatt. In zwanzig Jahren hat sich die Leistung der Anlagen von kleinen Batterieladern und Hofmühlen hin zu Kraftwerken beeindruckend gesteigert.

Windenergie studieren

Studieninteressierten vermittelt der neue Masterstudiengang „Windenergie“ an der Hochschule Bremerhaven, wie Rotorblätter berechnet, gebaut, getestet und erprobt werden. Der international ausgerichtete Studiengang Engineering Physics an der Universität Oldenburg und der Fachhochschule Emden/Leer bietet ein Bachelorstudium mit der Vertiefungsrichtung Windenergie (B.Eng.) sowie ein zweijähriges Master-Aufbaustudium (M.Sc.) an. Seit über 20 Jahren vermittelt das Postgraduate Programme Renewable Energy (PPRE) an der Universität Oldenburg Fach- und Praxiswissen zu verschiedenen Technologien der erneuerbaren Energien. In Kooperation mit acht Hochschulen in fünf Ländern Europas organisiert die European Renewable Energy Centres (EUREC) Agency einen Masterstudiengang, der Ingenieur- und Naturwissenschaften zu einem einheitlichen Bild von der Windenergie zusammenführt. Denn auch europaweit wächst die Branche. Etwa 60.000 neue Jobs sind in der EU in den vergangenen sechs Jahren entstanden. Mit dem Ausbau der Offshore-Windenergie steigt der Bedarf weiter und nach der EWEA-Studie „Wind at Work“ verdoppelt sich die Zahl der Beschäftigten auf annähernd 330.000 Arbeitsplätze bis 2020. Onshore- und Offshore-Windenergie sind mit jeweils etwa 50 Prozent gleichauf im Zuwachs und zukünftig sieht die Studie für den Offshore-Bereich ein starkes Wachstum voraus.

Zentrum für Windenergieforschung

Im Nordwesten, wo die meisten Hersteller von Windenergieanlagen ansässig sind, forscht ForWind, das Zentrum für Windenergieforschung der Universitäten Oldenburg, Hannover und Bremen, an innovativen Lösungen. In Bremen stehen Elektrotechnik und Maschinenbau auf dem Lehrplan. Der Bereich Bauingenieurwesen in Hannover entwickelt Konzepte für Tragstrukturen, wie sie im Fundamentbau für Windenergieanlagen zum Einsatz kommen. Physiker und Ingenieure forschen in Oldenburg in den Bereichen Energiemeteorologie, Windphysik und Windenergiesysteme. Die Zukunftsbranche Windenergie ist auch für Ingenieure klassischer Studienangebote interessant. Häufig erfolgt ein Brancheneinstieg als Quereinstieg aus anderen Industriezweigen wie der Automobilindustrie oder dem Flugzeugbau. Den Einstieg erleichtern Qualifizierungsangebote wie das Weiterbildende Studium Windenergietechnik und -management (Windstudium).
Das berufsbegleitende Studium vermittelt in elf Monaten Fachwissen aus den Bereichen Naturwissenschaft, Technik, IT, Betriebswirtschaftslehre, Recht, Planung und Projektmanagement sowie Schlüsselqualifikationen für die berufliche Praxis. Bei der Planung eines Windparks im Team lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Studieninhalte mit ihren beruflichen Erfahrungen zu fundiertem Systemwissen zu vernetzen. Anbieter dieses Qualifizierungsangebots sind ForWind und die Windenergie-Agentur Bremerhaven/Bremen e.V. (WAB). Die Konzeption eines Offshore- Studiums wird zurzeit vorbereitet. Den Karriereweg in der Windenergie unterstützt auch regelmäßige Qualifizierung. Als Schnittstellen zu Erkenntnissen aus Forschung und Entwicklung bietet die ForWind Academy in ihren Seminaren Expertenwissen zu aktuellen Fragestellungen
aus der beruflichen Praxis. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Branche eröffnet das aktive und international agierende Expertennetzwerk der Academy gute Kontakte und wichtiges Praxiswissen für den Berufsalltag in der Windenergie.

nicole.kadagies@forwind.de

Ausgabe η[energie] 4 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe η[energie] 4 / 2010.
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