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Gasbeschaffung clever und flexibel

Intelligente Dienstleistungen für Bilanzkreis- und Portfoliomanagement

Regulatorische Vorgaben, neue Wettbewerberbn und z.B. die Nutzung bisher nicht zugänglicher Erdgasreserven führen dazu, dass ein Energieversorger flexibel auf Veränderungen des Marktes reagieren muss. Dr. Oliver Malerius und Tobias Meyer von der Gas-Union GmbH gehen davon
aus, dass diese Flexibilität nur durch Diversifikation der Beschaffung erreicht werden kann und dass steigende IT- und Personalkosten durch die Nutzung von Dienstleistungen wie Portfoliound Bilanzkreismanagement minimiert werden können. Des Weiteren können Synergien z.B. durch Verbindung von Portfolios zur Risikominimierung genutzt werden.

Marktsituation

Die Aufgaben eines Energieversorgers sind in den letzten Jahren immer komplexer und aufwändiger geworden. Die Regulierung des Netzbereiches hat mit der Einführung des 2-Vertragsmodells und der Tagesbilanzierung zur Vereinfachung des Netzzuganges und der Lieferung an Endkunden geführt. Die Liquidität an den Handelsplätzen hat deutlich zugenommen, so hat sich beispielsweise das Handelsvolumen am virtuellen Handelspunkt des Marktgebietes NetConnect Germany im Zeitraum von Januar 2008 bis Januar 2009 verdoppelt.
Der Markt für Erdgas hat sich aufgrund vieler Einflussfaktoren deutlich geändert. Vor wenigen Jahren ist die Branche noch davon ausgegangen, dass Erdgas als Energieressource in Kürze knapp werden würde. Nach der Entwicklung neuer Fördertechnologien sind jedoch insbesondere in den USA unkonventionelle Erdgasquellen erschlossen worden, sodass heute von Reserven in Höhe von ca. 922 Mrd. m³ unkonventionellem und ca. 185 Mrd. m³ konventionellem Gas ausgegangen wird [1]. Die bereits erschlossenen Reserven in den USA führen dazu, dass die LNG-Importe der USA in den nächsten 20 Jahren um ca. 150 Mrd. m³ sinken werden [2].
Diese Mengen stehen für den Weltmarkt zur Verfügung und erhöhen deutlich die Angebotsseite des Erdgasmarktes. Gleichzeitig hat sich im vergangenen Jahr aufgrund der wirtschaftlichen Rezession die Nachfrageseite deutlich verringert. Die Auswirkungen dieser Entwicklungen verdeutlicht Abbildung 1. In der Abbildung sind die relative Entwicklung des Futures für Gas (Kalenderjahr 2011) am virtuellen Handelspunkt NCG, der Mittelwert der Monatskontrakte für Gasoil an der ICE (Intercontinental Exchange) und die Differenz zwischen den Preisen aufgezeigt. Es ist deutlich zu erkennen, dass der Ölpreis gestiegen und der Gaspreis aufgrund des oben dargestellten Überangebotes gefallen ist. Es ist heute davon auszugehen, dass sich mittelfristig an der grundsätzlichen Marktsituation nichts ändern wird. Gleichzeitig drängen neue Wettbewerber auf den Erdgasmarkt, die die vergleichsweise niedrigen Preise am Handelsmarkt nutzen. Um erfolgreich am Markt agieren zu können, muss ein Energieversorger die jeweiligen Entwicklungen der Märkte ausnutzen können. Er benötigt also eine flexible, diversifizierte Gasbeschaffung.

Möglichkeiten der Gasbeschaffung

In Abbildung 2 sind die grundsätzlichen Möglichkeiten der Gasbeschaffung und der daraus resultierende Aufwand und die Chancen/ Risiken dargestellt. Grundsätzlich steigt der Aufwand mit steigenden Chancen und Risiken. In der Rest-/Vollversorgung (1) muss der Lieferant alle Risiken (z.B. Mengenrisiko, Preisrisiko) im ungünstigsten Fall bewerten und im Vertragspreis berücksichtigen. Durch die vollstrukturierte Beschaffung (3) kann ein Kunde diese vom Lieferanten eingepreisten Risiken, die nicht zwangsläufig eintreten müssen, als Preisdifferenz heben. Weitere Vorteile können aus der aktiven Portfoliooptimierung am Markt generiert werden.
Die Abwicklung der Rest-/Vollversorgung (1) findet in der Regel im Subbilanzkonto im Bilanzkreis des Lieferanten bedarfsgerecht statt. Einzelne Standardprodukte des Kunden werden bei der Restvollversorgung durch den Lieferanten abgewickelt. Damit sind Aufwand und Risiken, aber auch die Chancen am Markt für den Kunden minimal. In der teilstrukturierten Beschaffung (2) werden Standardprodukte mit einem offenen Liefervertrag kombiniert, der die nötige Flexibilität zur Verfügung stellt. Der Kunde bildet in der Regel einen eigenen Bilanzkreis und nominiert sämtliche Verträge bei den Lieferanten. Er kann Vorteile aus der Flexibilität des offenen Liefervertrages am Markt einsetzen, trägt aber Preis- und Ausgleichsenergierisiken. Damit steigen neben den Chancen auch der Aufwand durch die Bilanzkreisführung und die Risiken. In der vollstrukturierten Beschaffung (3) deckt der Kunde seine Beschaffungsmenge komplett aus Standardprodukten und kann flexibel am Markt agieren. Zusätzlich zu der Bilanzkreisführung muss täglich die Differenz zwischen über den Terminmarkt beschaffter Menge und der aktuellen Prognose am Spotmarkt zur bedarfsgerechten Lieferung gehandelt werden.
Die wesentlichen Aufgaben, die bei einer vollstrukturierten Beschaffung umgesetzt werden müssen, sind das Portfolio-, das Bilanzkreis- und das Risikomanagement. Die Hauptaufgaben des Portfoliomanagements sind die Strategieentwicklung, die Marktanalyse, der Marktzugang und die Abwicklung der Geschäfte. Das Risikomanagement überwacht und steuert die Risiken. Die Regeln müssen in einem Risikohandbuch verankert sein und durch einen Risikomanager, der dem Risikokomitee berichtet, überwacht werden. Das Bilanzkreismanagement führt täglich Prognosen und Re-/Nominierungen nach standardisierten Kommunikationsregeln mit den Marktpartnern handels- und transportseitig durch. Der Bilanzkreisverantwortliche muss 24/7 verfügbar sein. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, IT-Systeme und Personal vorzuhalten und die entsprechenden Prozesse im Unternehmen aufzubauen. Entscheidet sich ein Energieversorger, diese Aufgaben im Unternehmen zu etablieren, führt dies zu den entsprechenden Investitions-, Betriebs- und Personalkosten.

Dienstleistungen zur Nutzung von Synergien

Eine Alternative besteht darin, diese Aufgaben über eine Dienstleistung abzudecken und so die Kosten und die Risiken zu senken. Diese Dienstleistung bietet Gas-Union unabhängig von einer Gaslieferung an. Gas- Union hat in den letzten Jahren in fast allen Marktgebieten Bilanzkreise aufgebaut und bewirtschaftet diese Portfolios. Damit bietet Gas-Union erfahrenes Personal, das die 24-7-Verfügbarkeit abdeckt. Es wurden mandantenfähige IT-Systeme beschafft und auf die Anforderungen des Erdgasmarktes angepasst. Die Systeme sind webbasiert und ermöglichen den Onlinezugriff des Kunden auf alle Vertrags- und Bewegungsdaten. Unsere Portfoliomanager führen täglich Marktanalysen durch, beraten unsere Kunden zu Ein- und Verkaufszeitpunkten und ermöglichen den Zugang zum Großhandelsmarkt.
Die Dienstleistung kann individuell auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten werden. Dabei ist, wie in Abbildung 3 dargestellt, die Stärke zur Verbindung mit Gas- Union frei einstellbar. Der Kunde kann beispielsweise sämtliche Kernfunktionen im Hause aufbauen und nur die Abwicklung der Kommunikation der Gas-Union übergeben. Es ist aber auch möglich, das Portfoliound Bilanzkreismanagement durch Gas- Union durchführen zu lassen und gleichzeitig Teilmengen bei Gas-Union zu beziehen. Als Ergänzung zur Dienstleistung bietet Gas- Union die Möglichkeit, Risiken aus der strukturierten Beschaffung und der Führung von Bilanzkreisen zu minimieren. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, dass Gas- Union das Ausgleichsenergierisiko des Kunden übernimmt. Voraussetzung hierfür ist, dass die Prognose durch Gas-Union durchgeführt und der Kundenbilanzkreis mit dem Bilanzkreis der Gas-Union verbunden wird. Die Regelenergieumlage kann minimiert werden, indem Kunden mit registrierender Lastgangmessung in der Tagesbilanzierung (RLMmT) in die Stundenbilanzierung (RLMoT) überführt werden. Des Weiteren ist die Verbindung von Bilanzkreisen in einem Pool-Modell möglich. In diesem Fall wird der Gleichzeitigkeitseffekt genutzt, um die Ausgleichsenergierisiken und Beschaffungskosten der Poolpartner zu minimieren.

Literatur
[1] U.S. Energy Information Administration (EIA), Annual Energy Outlook 2010
[2] Newell, R., Shale Gas- A Game Changer for U.S. and Global Markets, Flame 2010, Amsterdam

malerius@gas-union.de
t.meyer@gas-union.de

Ausgabe η[energie] 3 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe η[energie] 3 / 2010.
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