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Strom und Wärme aus der Tiefe
Strom und Wärme aus der TiefeDie geothermische Energieerzeugung gilt als Zukunftstechnologie und zugleich als besonders anspruchsvoll. Geologische, bohrtechnische, vor allem aber verfahrens- und anlagentechnische Herausforderungen verlangen ein ganzheitliches Kraftwerkskonzept. Damit auf einer fündigen Bohrung auch ein wirtschaftlich arbeitendes Geothermiekraftwerk entsteht, berücksichtigen Hans Christian Schröder und René Schiemann den funktionalen Zusammenhang aller beteiligten Teilsysteme.
Im Jahr 2008 wurden – trotz der Finanzkrise – weltweit rund 85 Mrd. Euro in regenerative Energien investiert und damit viermal soviel wie 2004. Mit knapp 150 Prozent entfiel die höchste Wachs tumsrate dabei auf die Geothermie, wo 1.300 Megawatt Kraftwerksleistung hinzugekommen sind. Im Vergleich zur Wind- oder zur Solarenergie hat sie, prozentual gesehen, den größten Sprung gemacht. In Deutschland spielt vor allem die hydrothermale Geothermie eine Rolle. Mit 3.000 m bis 4.000 m sind hier zu Lande allerdings extreme Bohrtiefen für eine wirtschaftliche Stromerzeugung nötig, was erheblichen technischen und finanziellen Aufwand bedeutet. Schwachstellen systematisch aufdecken
Für eine hohe Verfahrenssicherheit müssen bei der Anlagentechnik zahlreiche Herausforderungen bewältigt werden. Ziel ist eine dauerhaft funktionsfähige Baugruppe, wie sie bei geothermischen Anlagen aus Thermalwasserkreis, Maschinenanlagen, Kraftwerk, Rohrleitungen, Hilfsanlagen, E- und Leittechnik besteht. Auch wenn die Rohrleitungen, Pump-, Aufbereitungs- und Filtrationsanlagen sowie alle Anlagenmodule der Förder- und Injektionsbohrung individuell ausgelegt und geprüft werden müssen, ist die komponentenorientierte Schwachstellenanalyse allein nicht zielführend. Das Verfahrens- und Betriebskonzept muss die technischen Prozesse und den späteren Anlagenbetrieb einbeziehen. Bereits für den Bewertungsprozess sollten alle Projektbeteiligten zusammenarbeiten. Varianten für die Stromerzeugung klären
Die geothermische Stromerzeugung erfolgt nach denselben Grundprinzipien wie bei einem mit fossilen Energieträgern befeuerten Turbinenkraftwerk. Gegenüber konventionellen Turbinenkraftwerken herrschen in dem für die Dampfturbine bereitgestellten Heißwasser in Erdwärme- Kraftwerken deutlich niedrigere Druck und Risikoorientierte Instandhaltung und Risikomatrix Ein weiterer Baustein eines effizienten Kraftwerkskonzepts für die Geothermie ist die Risikoeinstufung der einzelnen Anlagenbereiche und die darauf basierende Instandhaltungsstrategie. Mit dem von TÜV SÜD entwickelten Ansatz der risikoorientierten Instandhaltung (TÜV-RoiM) lassen sich detaillierte und angepasste Instandhaltungs- und Inspektionspläne für die Anlagen entwickeln. Zentraler Bestandteil ist die Bewertung der Ausfallwahrscheinlichkeit und Identifikation kritischer und unkritischer Komponenten. So können Bauteile herausgefiltert werden, für die besondere Instandhaltungsmaßnahmen erforderlich sind sowie unkritische Komponenten, für die Instandhaltungsmaßnahmen im wesentlich geringeren Umfang ausreichen. Um die Risiken für die Teilsysteme und komponenten zu bestimmen, wird die Anlage zunächst in logische funktionale Einheiten unterteilt. Weiterhin werden Schadensarten und Folgeketten ermittelt. Dann werden die Wahrscheinlichkeit und die möglichen Folgen eines Ausfalls einzelner Komponenten ausgewertet. Die Einstufung resultiert aus der Betrachtung und Bewertung der Eintrittswahrscheinlichkeit eines Fehlers und seiner Konsequenzen. Dargestellt wird dies in einer so genannten Risikomatrix. Weil mit dem Konzept ein optimaler Mix aus schadensbezogener, periodischer oder zustandsorientierter Instandhaltung gelingt, lassen sich dieBetriebs- und Wartungskosten bei zugleich optimierten Prüfintervallen senken.
rene.schiemann@tuev-sued.de |
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