|
Technik
>
Mit Kuhmist Auto fahren
Mit Kuhmist Auto fahrenBiomethan als Motortreibstoff via Einspeisung ins Erdgasnetz
In den USA erfährt Methan als „vergessener Motortreibstoff“ derzeit großes Interesse. Grund sind die riesigen Vorkommen an „Shale Gas“, d.h. Erdgas in Schieferformationen, die über bestehende Gasnetze durch den Aufbau von Gastankstellen automobil genutzt werden können. Biogas, das durch Verstromen oder Direkteinspeisen
Die Erzeugung von Biogas aus organischen Stoffen ist ein etabliertes Verfahren zur Energiebereitstellung. Laut Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) werden sich in Deutschland bis Ende 2010 etwa 5.300 Biogasanlagen in Betrieb befinden. Diese Biogasanlagen nutzen das durch anaerobe Vergärung von organischer Biomasse gewonnene Biogas zur Generierung von elektrischer und thermischer Energie in Blockheizkraftwerken (BHKW). Die installierte elektrische Generatorleistung dieser Biogasanlagen wird Ende 2010 voraussichtlich insgesamt 1.950 MWel betragen (FNR). Die bei der Stromerzeugung ebenfalls anfallende thermische Abwärme des BHKW wird bei einem Großteil der Biogasanlagen zur Beheizung angrenzender Wohnhäuser und/oder von Wirtschaftsgebäuden genutzt. Im Biogasmessprogramm II des FNR wurden 61 Biogasanlagen begutachtet. Bei 18 dieser Anlagen wurde die thermische Energie an weitere externe Abnehmer verkauft.
Um diese aufgrund mangelhafter Wärmenutzungskonzepte ungenutzte Energie erschließbar zu machen, bieten sich die Aufkonzentrierung des Biogases zu Biomethan auf Erdgasqualität und eine anschließende Einspeisung in bereits existierende Erdgas-Leitungsnetze an. Dadurch kann das Biomethan leicht an andere Orte transportiert und dort in BHKW verwertet werden, an denen schlüssige Wärmenutzungskonzepte realisierbar sind. Aufbereitungstechniken
Zur Aufbereitung des Biogases zu Biomethan kommen neben noch nicht am Markt etablierten Methoden wie Membran-Trennverfahren oder kryogenen Verfahren hauptsächlich drei Arten zum Einsatz: Von den bisher geplanten und realisierten Biogasanlagen nutzen 33% Anlagen die Technik der Druckwechseladsorption (PSA), 31% reinigen ihr Biogas im Aminwäscheverfahren und weitere 27% bedienen sich der Druckwasserwäsche (DWW). Die restlichen 9% setzen weniger etablierte Verfahren ein (Quelle: www.biogaspartner.de). Die Aminwäsche sowie die Druckwechseladsorption werden bei mittelgroßen Anlagen mit einer durchschnittlichen stündlichen Aufbereitungskapazität von etwa 525 m³ Biomethan eingesetzt, während die Druckwasserwäsche bei größeren Anlagen zum Einsatz kommt (durchschnittliche Biomethankapazität von 872 m³/h).
lage steigt. Kritisch anzumerken ist ebenfalls, dass mit der Einspeisung von Biomethan der – verglichen mit Kohle sehr saubere Energieträger Erdgas – substituiert wird. Um den Import von Energie und damit die Abhängigkeit von anderen zu verringern, ist die Biomethanerzeugung jedoch gut geeignet, da die komplette Wertschöpfung im Inland erfolgt. Ein zusätzlicher Vorteil von Biomethan ist die nicht vorhandene Preisbindung an den Erdölpreis, wie sie beim Erdgas gegeben ist, was längerfristige Kalkulationen erleichtert. Die zur Biogasaufbereitung notwendige Anlagentechnik stellt einen großen Kostenfaktor bei der Finanzierung von Biogasanlagen dar. Investitionen im fünf- bis sechsstelligen Bereich sind dabei allein für die Gasaufbereitung einzuplanen. Die Aufbereitungskosten pro Nm³ Biomethan liegen je nach Aufbereitungsmethode und Hersteller etwa zwischen 12 und 25 Cent (vgl. Urban, W., Girod, K., Lohmann, H. (2009): Technologien und Kosten der Biogasaufbereitung und Einspeisung in das Erdgasnetz. Ergebnisse der Markterhebung 2007- 2008; Fraunhofer UMSICHT). Die Frage, ab welcher Anlagengröße die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan und anschließende Einspeisung in Erdgasnetze wirtschaftlich umsetzbar ist, kann jedoch nicht eindeutig beantwortet werden. In der Literatur finden sich Angaben, dass ab einer stündlichen Gasproduktion von 250 m³ eine Gasaufbereitung wirtschaftlich umsetzbar ist (vgl. Eder und Schulz 2007: Biogas Praxis). Solche Angaben sind aber sicherlich mit größter Vorsicht zu betrachten, da die Wirtschaftlichkeit der Anlagen von zahlreichen Faktoren wie z.B. die Substratbereitstellungs- kosten abhängig ist. Bei der Planung von Biogasanlagen mit anschließender Gasaufbereitung und –einspeisung ist aufgrund der hohen Investitionskosten das Hinzuziehen von externen unabhängigen Beratern zu empfehlen. Geschäftsfeld für Stadtwerke Die Realisierung von Anlagen zur Biomethanerzeugung kann gerade für Stadtwerke lohnenswert sein: Viele private Verbraucher kaufen ihre Energie mittlerweile nach ökologischen Gesichtspunkten ein. Bietet nun ein Anbieter, der sich sogar direkt vor Ort befindet, ein solches Produkt an, können zusätzliche Kunden gewonnen werden. Infrage kommt dabei in dicht besiedelten städtischen Gebieten die Versorgung mit Nahwärme und Strom oder direkt mit Biomethan. Sind dazu noch Kompost- oder Bioabfallsammelstellen in kommunalem Besitz, bietet sich durch die Vergärung des Bioabfalls insbesondere der Betrieb von Biogasanlagen mit nachfolgender Biomethanaufbereitung an. So verbleibt die komplette Wertschöpfungskette in einer Hand. Optional kann die Nutzung von Biomethan als Treibstoff im kommunalen Nahverkehr in Betracht gezogen werden. Für bereits vorhandene Biogasanlagen, die sich in räumlicher Nähe zueinander befinden, kann der Anschluss an eine gemeinsame Gasaufbereitungsanlage eine Alternative zur herkömmlichen Verstromung in BHKWs sein.
ernst.a.stadlbauer@mni.fh-giessen.de |
Ausgabe η[energie] 3 / 2010Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download Die Autoren:Weitere Artikel online lesen |



