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Effiziente Dienste

Die Steigerung der Energieeffizienz spielt zumindest auf dem Papier sowohl in der europäischen als auch der nationalen Klimapolitik eine große Rolle. Die Potenziale zur Einsparung von Endenergie sind in vielen Sektoren nach wie vor hoch, ein Großteil der Maßnahmen auch wirtschaftlich sinnvoll. Dies haben zahlreiche Ingenieurbüros, Contracting-Unternehmen, Energieunternehmen und weitere Organisationen erkannt und bieten dementsprechend Energieeffizienz-Dienstleistungen an. Prof. Dr. Wolfgang Irrek und Maike Bunse berichten, dass die Marktentwicklung jedoch in vielen Bereichen noch gehemmt ist.

Der Markt für Energieeffizienz-Dienstleistungen in Deutschland zählt zu den am weitesten entwickelten in ganz Europa. Trotz der bisher nicht umgesetzten EURichtlinie zu Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen (das geplante Energiedienstleistungsgesetz liegt derzeit im Entwurf vor) und fehlender direkter Maßnahmen zur Stimulierung einer breiten Einführung von Energieeffizienz-Dienstleistungen liegen in vielen Bereichen gute Rahmenbedingungen vor. Vor allem die steigenden Energiepreise und die jahrelange Thematisierung des wirtschaftlichen Vorteils von Energieeffizienz-Steigerungen haben eine positive Wirkung auf die Entwicklung von Energieeffizienz-Dienstleistungen gezeigt, das Vertrauen in deren Anbieter ist gewachsen. Allerdings bestehen weiterhin verschiedene Hemmnisse und Barrieren, um in allen Sektoren und in größerem Umfang einen solchen Markt zu etablieren.

Vielfältigkeit des Marktes

Aufgrund der deutschen Marktgegebenheiten haben sich verschiedene Formen von Energieeffizienz- Dienstleistungen heraus gebildet – von Teildienstleistungen wie Energieanalysen und Energiemanagement bis hin zu verschiedenen Contracting-Angeboten. Nicht nur die Art ist vielfältig, auch der Anbieterkreis umfasst ein breites Spektrum: Beispielsweise gibt es die so genannten ESCOs (Energy Service Companies), das sind „reine“ Energiedienstleister wie z.B. Contracting-Unternehmen, die nicht gleichzeitig Energieverteil- oder Energielieferunternehmen sind. Die Anzahl von ESCOs und ESCO-ähnlichen Unternehmen in Deutschland wird auf ungefähr 500 geschätzt. Zusätzlich gibt es eine hohe Anzahl an Energieunternehmen, Stadtwerken und multinationalen Unternehmen, die verschiedene Arten von Energieeffizienz-Dienstleistungen oder Teilleistungen davon anbieten. Darüber hinaus führen Energieagenturen und NGOs nicht nur Energieeffizienz-Programme durch, sondern bieten ebenso Energieeffizienz-Dienstleistungen bzw. Teilleistungen davon an. Daneben runden spezielle Energie-Consultants, verschiedene Hersteller von Energieeffizienz-Technologien, Unternehmen der Bauwirtschaft, Facility-Management-Anbieter, Installateure und Architekten den Anbieterkreis ab. Die meisten Angebote richten sich an Unternehmen und öffentliche Stellen, da hier das Potenzial für profitable Dienstleistungen aufgrund der relativ niedrigen Transaktionskosten pro eingesparte Kilowattstunde weitaus höher ist als bei privaten Haushalten. Energieeffizienz-Dienstleistungen für die Industrie stellen eher einen Nischenmarkt dar, da es hier überwiegend um sehr spezielle Anwendungen geht. Beispiele für Angebote für die Industrie sind u.a. Druckluft- oder Kälte-Contracting. Der Wohn- und Nichtwohngebäudebereich – sowohl öffentlich als auch privat – stellt nach wie vor den Hauptmarkt dar, auch wenn es hier noch einige Hemmnisse zu überwinden gibt wie z.B. das Nutzer- Investor-Dilemma oder die derzeit noch bestehende Problematik im Mietrecht, die die Umlage von Contracting-Raten im Mietwohnungsbau behindert.

Förderung der Marktentwicklung

Das Projekt „ChangeBest“ (www.changebest.eu) mit 20 Partnern aus 17 EU-Ländern sowie mehr als 50 Praxispartnern hat sich zum Ziel gesetzt, die Marktentwicklung von Energieeffizienz-Dienstleistungen in Europa zu fördern. Das Projekt wird im Rahmen des „Intelligent Energy Europe“- Programms von der EU gefördert. Mit dem ChangeBest-Projekt sollen Energieunternehmen, Contracting-Unternehmen und weitere potenzielle Anbieter bei der konkreten Entwicklung und Markteinführung von Energieeffizienz-Dienstleistungen für Haushalts- und Geschäftskunden unterstützt werden. Dies geschieht u.a. mittels Analysen, Erfahrungsaustausch und Begleitung von mindestens 35 Praxispartnern bei der Entwicklung und Markteinführung konkreter Dienstleistungsangebote. In Deutschland nehmen die Stadtwerke Tübingen und Stadtwerke Bretten mit Unterstützung der ASEW an diesem Feldtest teil. Eine der ersten Fragen, die bei der Entwicklung von Energieeffizienz-Dienstleistungen für Geschäftskunden zu stellen ist, lautet: „Welche Dienstleistung ist für den Kunden die richtige?“ (Leutgöb et al. 2010) Um diese Frage zu beantworten, ist es sinnvoll, mit den Augen des Kunden auf mögliche Lösungsansätze entlang der Wertschöpfungskette zu schauen. Beispielsweise gilt es herauszufinden, welche Auswirkungen die Energieeffizienz-Dienstleistung auf das Kerngeschäft des Kunden haben könnte. Unterscheiden kann man dabei zwischen „geringem Einfluss“, d.h., die Dienstleistung würde nicht die Kernprozesse des Unternehmens adressieren, „ positivem Einfluss“, d.h., die Dienstleistung unterstützt das Kerngeschäft des Unternehmens und „negativem Einfluss“, d.h., die Dienstleistung greift störend in das Kerngeschäft des Unternehmens ein und stellt damit ein gewisses Risiko für das Unternehmen dar. Mithilfe einer Technologien-Kundensegmente- Matrix kann ein erster Ansatzpunkt für die Identifikation geeigneter Energieeffizienz- Dienstleistungen in verschiedenen Kundensegmenten geschaffen werden. Hierauf aufbauend sollten die eigenen Stärken und Schwächen des Dienstleistungsanbieters und die mit möglichen Angeboten verbunden Chancen und Risiken näher untersucht werden, auch mit Blick auf die Wettbewerbssituation und die erwartete wirtschaftliche Entwicklung im jeweiligen Kundensegment. Schließlich sind die personellen und organisatorischen Voraussetzungen für das Dienstleistungsangebot zu schaffen und ein „Business Case“ zu erstellen, der den erwarteten Aufwand und Ertrag für den Anbieter für die ersten Jahre des Dienstleistungsangebots abschätzt. Ein Leitfaden im Rahmen des Projekts „ChangeBest“ zeigt sinnvolle Schritte einer strategischen Produktentwicklung bei Energieeffizienz- Dienstleistungen auf. Auf der Basis dieses Leitfadens unterstützt das ChangeBest-Team die Praxispartner aus Deutschland sowie aus den anderen europäischen Ländern bei der Entwicklung neuer Energieeffizienz-Dienstleistungen. Feldtests, in deren Rahmen neue Dienstleistungen entwickelt und auf den Markt gebracht werden sollen, sind im August 2010 gestartet und werden etwa ein bis zwei Jahre laufen. Vor allem an den Ergebnissen dieser Feldtests wird sich der Erfolg des ChangeBest-Projekts messen lassen.

Literatur
Klemens Leutgöb, Wolfgang Irrek, Jaan Tepp, Johan Coolen (2010): Strategic product development for the energy efficiency service market. Task 3.1 of the ChangeBest project. Download: www.changebest.eu
Weitere Informationen rund um Energieeffizienzdienstleistungen und eine ausführlichere Analyse der Marktsituation in Deutschland und in 17 weiteren EU-Mitgliedstaaten sind im Rahmen des ChangeBest-Projekts erhältlich unter www. changebest.eu ASEW/Your Sales (2009): Stadtwerke der Zukunft III – Perspektiven im Geschäftsfeld Energiedienstleistungen, Mannheim

irrek.wolfgang@hs-ruhrwest.de
maike.bunse@wupperinst.org

Ausgabe η[energie] 4 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe η[energie] 4 / 2010.
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