Contracting
Energiedienstleistungen im Bereich Industriekunden erfreuen sich großer Beliebtheit. Viele dieser Dienstleistungsmodelle werden unter den Begriff Contracting gefasst. Eine für die Wohnungswirtschaft interessante Variante ist das Wärmecontracting. Dabei übernehmen Contractoren sowohl Planung, Errichtung und Finanzierung als auch alle Aufgaben des laufenden Betriebs der Wärmeerzeugungsanlagen. Somit stellen sie dem Kunden üblicherweise eine moderne Wärmeerzeugungsanlage zur Verfügung.
Bei Wärmeerzeugungsanlagen im deutschen Mietwohnbestand existiert noch ein erheblicher Modernisierungsbedarf: Nur rund 10 % des Kesselbestandes befinden sich auf dem Stand der Technik, ca. 20 % der Anlagen sind älter als 24 Jahre, während 70 % der Anlagen ein Alter zwischen 10 und 24 Jahren aufweisen. Alte Anlagen haben durch einen geringen Effizienzgrad mitunter gravierende Auswirkungen auf die Kostenbelastung von Mietern – von ökologischen Auswirkungen des Mehrverbrauchs ganz abgesehen.
Unterscheidet man den Endenergieverbraucher nach Sektoren, so zeigt sich für das Jahr 2006 laut Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), dass private Haushalte einen mit anderen Sektoren wie Industrie und Verkehr vergleichbar hohen Anteil am Endenergieverbrauch in Deutschland haben.
Es existiert ein erheblicher Modernisierungsstau im deutschen Wohnbestand, der enorme Auswirkungen auf den Energiebedarf und somit auch auf die Energiekosten von betroffenen Mietern hat. Könnte Contracting einen Beitrag leisten, Wärmeerzeugung effizienter zu gestalten? Eine Studie des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat eine Antwort auf diese Frage gegeben. Kern der Studie war es, die energetischen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen des Contracting bis ins Jahr 2015 zu prognostizieren. Die Ergebnisse werden im Folgenden zusammenfassend dargestellt.
Die Berechnung der gesamten Energieeinsparpotenziale durch Effizienzsteigerung aller ineffizienten Wärmeerzeugungsanlagen erfolgt anhand einer Gegenüberstellung eines durchschnittlichen Jahresnutzungsgrades von Bestandsanlagen (71 %) und moderner Anlagen (86 %). Der Abstand der beiden Geraden zu einem
bestimmten Zeitpunkt legt die realistische durchschnittliche Effizienzsteigerung fest und definiert die damit verbundenen gesamten theoretischen Einsparmöglichkeiten.
Unüberwindbare Barrieren
Bislang scheitert Contracting in der Wohnungswirtschaft allerdings an den meist unüberwindbaren rechtlichen Barrieren. In großen Wohnanlagen, die Zielgruppe der Contractoren, müssen i.d.R. alle betroffenen Mietparteien ihr Einverständnis zur Umstellung auf Contracting geben. Ein aussichtloses Unterfangen angesichts nicht immer rationaler Entscheidungen von Mietern.
Bei den Unternehmen, die es bereits nutzen, wurde Contracting überwiegend als positiv bewertet. Die Kostenbelastung bei den Mietern sei durch Contracting nicht wesentlich gestiegen. Unter einzelwirtschaftlicher Perspektivemuss Contracting aber nicht zwangsläufig zu einer Mehrbelastung des Mieters im Vergleich zur Modernisierung in Eigenregie führen. Dies zeigt eine Modellrechnung für ein Unternehmen auf Basis einer Vollkostenkalkulation (Quint, R. 2007). Insbesondere der über die gesamte Lebensdauer der Anlage gleich bleibende Jahresnutzungsgrad und die professionelle Wartung führen zu Ersparnissen, die die Kosten des Contracting kompensieren.
Auch aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive besitzt Contracting eine Reihe von Vorteilen. Dazu zählen:
- professionelleres Management
- effizientere Wartungsmöglichkeiten
- Garantie einer gleich bleibenden Anlageneffizienz über die Lebensdauer der Anlage – anders als in vielen Fällen des Managements durch den Vermieter
- Beschaffungsvorteile für Anlagen und Brennstoff
- Ermittlung von Ersatzzeitpunkten für Anlagen auf Basis systematischen betriebswirtschaftlichen Kalküls unter Kenntnis der aktuellen technischen Möglichkeiten
- Minimierte Ausfallwahrscheinlichkeit und -zeit durch technische Möglichkeiten der Fernüberwachung und Einsatz von Fernwirktechnik.
Neben dem Abbau rechtlicher Barrieren wird es einen Erfahrungsaustausch z. B. in den Verbänden und Interessensvereinigungen geben müssen, um z. B. Ängste zu überwinden.
Wirkungsvolle Anreize
Insgesamt sichert Contracting durch wirkungsvolle Anreize beim Vermieter eine raschere Modernisierung und professionelleres Anlagenmanagement als bei Modernisierung in Eigenregie. Des Weiteren können die Modernisierung des Anlagenbestandes und dessen Betrieb auf dem aktuellen Stand der Technik besser gesichert
werden. Auf Grundlage der ökonomischen Überlegungen und der Ergebnisse der Befragungen kann aus ökonomischer Sicht eindeutig die Aufhebung der derzeitigen rechtlichen Hindernisse als wesentlicher Treiber für einen breiten Durchbruch des Contracting identifiziert werden.
Insgesamt sichert Contracting durch wirkungsvolle Anreize beim Vermieter eine raschere Modernisierung und professionelleres Anlagenmanagement als bei Modernisierung in Eigenregie. Des Weiteren können die Modernisierung des Anlagenbestandes und dessen Betrieb auf dem aktuellen Stand der Technik besser gesichert werden. Auf Grundlage der ökonomischen Überlegungen und der Ergebnisse der Befragungen kann aus ökonomischer Sicht eindeutig die Aufhebung der derzeitigen rechtlichen Hindernisse als wesentlicher Treiber für einen breiten Durchbruch des Contracting identifiziert werden. Wohnungswirtschaft zu fördern und zugleich einen hohen Qualitätsstandard zu gewährleisten. Damit trägt Contracting deutlich zur Erreichung der durch die internationale und nationale Politik anvisierten ökologischen und energiepolitischen Ziele bei, unberücksichtigt der positiven Effekte, die durch die für die Modernisierung nötigen Investitionen einerseits auf den entsprechenden (regionalen) Zulieferund Dienstleistungs-Märkten sowie andererseits auf den Arbeitsmarkt wirken.
Ralf.Herud@wiwi.uni-jena.de
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