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Kombiniert Energie sparen

Großstädte lassen sich bekanntermaßen kaum mit dem Auto erschließen, hier spielt die Bahn ihre unschlagbaren Vorteile hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Schnelligkeit aus. Die Wohnsiedlungen in der Agglomeration liegen dagegen oft abseits von S-Bahn-Haltepunkten und sind nur mangelhaft an den öffentlichen Verkehr angebunden. Prof. Dr. Ulrich Weidmann zeigt auf, dass kombinierte Angebote von Individualverkehr und öffentlichem Verkehr, zum Beispiel das so genannte Park&Ride (P&R), die wechselseitigen Vorteile nutzen und die Nachteile minimieren.

Kontrovers ist indessen gerade bei P&R, ob es wirklich eine Verlagerung vom Auto auf die Bahn bewirkt oder ob es nicht eher die öffentlichen Zubringerangebote zur S-Bahn schwächt. Damit verbunden fragt es sich, ob die Energie- und CO2-Bilanz positiv oder negativ ist. Zwei Schlüsselfaktoren bestimmen die Antwort: Nach welcher Strategie wählen die Benutzenden die Anlagen aus? Und: Wie würden sich die Benutzenden verhalten, wenn P&R nicht angeboten würde? Beiden Fragen ging das Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich in Fallstudien in den Agglomerationen Zürich und Luzern (Schweiz) auf den Grund. In mündlichen und schriftlichen Befragungen wurden die Motive sowie die Herkunfts- und Zielgebiete der Benutzenden erhoben. Gestützt darauf ließ sich eine einfache Energie- und CO2-Bilanz ermitteln.
P&R wird gemäß den Antworten vor allem genutzt, wenn im Zielgebiet ein Parkplatzmangel herrscht, die Straßen überfüllt sind und gleichzeitig das Angebot des öffentlichen Verkehrs attraktiv ist. Wichtig sind weiter ein Zeitgewinn und der höhere Komfort gegenüber einer Fahrt mit öffentlichen Zubringer-Verkehrsmitteln. Genannt wird schließlich die höhere zeitliche und örtliche Flexibilität auf der „letzten Meile“. Die typischen Benutzenden sind zu gleichen Teilen männlich oder weiblich und befinden sich meist auf dem Arbeitsweg. Mehrheitlich verfügen sie über vergünstigte Vielfahrer-Fahrkarten und frequentieren P&R mindestens drei Mal wöchentlich.
Üblicherweise wählen sie ihre Anlage so aus, dass sie die größtmögliche Wegstrecke mit dem öffentlichen Verkehr zurücklegen können. Meist sind deshalb die durchschnittlichen Weganteile mit der S-Bahn um ein Vielfaches größer als jene der Autozufahrt. Ein ungünstiges Verhältnis zeigen diesbezüglich einzig die Stadtrand-P&RAnlagen. Etwa 50 bis 57 % der Personen würden das Auto für den Gesamtweg benutzen, wenn P&R nicht angeboten würde. 43 bis 50 % dagegen würden in diesem Fall dem öffentlichen Verkehr den Vorzug geben.

Energie sparen

Als Grundlage für die Energie- und CO2- Berechnung wurde angenommen, dass die Benutzenden auch bei fehlendem P&R Angebot dieselben Wege zurücklegen. Zudem wurde die „graue Energie“ ausgeklammert. Aus den Destinationen und den Präferenzen für den Vergleichsfall ohne P&R-Angebot ließ sich nun der Umlagerungssaldo ermitteln. Dieser fällt insgesamt positiv aus und beträgt im Durchschnitt über alle Anlagen rund 12 km, das heißt, pro Benutzender und Tag wird diese Autodistanz netto vermieden.
Für die abschließende Energie- und CO2- Betrachtung wurde das Tool „UIC EcoPassenger“ eingesetzt, welches Bezug auf das reale Straßennetz und das effektive Bahnangebot nimmt (www.ecopassenger.org). Es ergab sich, dass jedes P&R-Parkfeld umgerechnet etwa den Benzinverbrauch von 0.1 PKW und die CO2-Emissionen von 0.25 PKW zu kompensieren vermag. Zehn Parkfelder entsprechen somit energetisch und vier Parkfelder hinsichtlich des CO2-
Ausstoßes einem PKW.

weidmann@ivt.baug.ethz.ch

Ausgabe η[energie] 1 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe η[energie] 1 / 2010.
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