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„Smart Metering 2.0“

„Smart Metering 2.0“

„Yes, we can“ - Mitarbeiter helfen Energiesparen. Die soziale Dimension von Klimaschutz und das Verhalten von Mitarbeiter ist ein wesentlicher Faktor bei der Umsetzung von Effizienzmaßnahmen. Matthias Betz und Tobias Schwartz vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT gehen der Frage nach, was in Unternehmen passiert, wenn Mitarbeiter an Büroarbeitsplätzen direktes Feedback über den Stromverbrauch ihrer genutzten elektrischen Geräte bekommen.

Es geht nicht nur um die Frage der technischen Machbarkeit, sondern auch um einen gezielten Kompetenzaufbau bei jedem einzelnen Mitarbeiter. Dies, so zeigen erste Ergebnisse, führt mittel- bis langfristig zu einer energiebewussteren Unternehmenskultur.

SmartMetering in Unternehmen

Das momentane Engagement im betrieblichen SmartMetering dient vornehmlich der Erfassung und Sichtbarmachung des Energieverbrauchs von Liegenschaften und Investitionen mit dem Ziel der Aufdeckung von Einsparpotentialen durch Modernisierungsmaßnahmen. Sie dienen somit der Unterstützung von Investitionsentscheidungen und fließen gleichzeitig als präzise Eingangsgrößen in die Produktionsplanung ein. Durch verbesserte Planung und Reaktionsfähigkeit werden dabei gleichzeitig lastabhängige Großabnehmerverträge zuverlässiger erfüllt. Der hohen Komplexität dieser Aufgabe begegnet man mit zunehmender Professionalisierung, wie beispielsweise die Entwicklung neuer Berufsbilder wie die des Energie-Managers zeigt.
Es gibt jedoch Bereiche in Unternehmen, die hinsichtlich der eingesetzten Energiemengen nur schwer zu erfassen sind. Diese Bereiche sind meist durch einen hohen Grad an Selbstorganisation gekennzeichnet und sind so kaum in zentralisierten Entscheidungs- und Umsetzungsprozessen zugänglich. In den letzten 50 Jahren ist beispielsweise der Anteil der in Büros Beschäftigten an der Erwerbsbevölkerung von etwa 10 Prozent auf knapp 50 Prozent gestiegen. Auch qualitativ hat sich das Büro als Arbeitsplatz in den letzten Jahren maßgeblich verändert. Waren früher Ordner, Papier und Schreibmaschine vorrangige Arbeitsmittel, so sind heute Monitore, Drucker, Tastaturen und Computer dominierend. Der Charakter dieser Arbeitsform ist insbesondere durch einen immer höheren Grad an Selbstorganisation geprägt. Zwar können durch Managemententscheidungen im Bereich des „GreenIT“ je nach Ausgangssituation bereits beachtliche Einsparerfolge erzielt werden, jedoch ist der Energieverbrauch in selbstorganisierten Arbeitsbereichen maßgeblich durch das Verhalten der Mitarbeiter bestimmt. Diese verfügen meist nur über begrenzte, nicht professionelle Kompetenzen in Energiefragen.
Dessen ungeachtet besitzen Mitarbeiter Kenntnisse und Erfahrungen, die sich wiederum einem professionellen Energie-Management entziehen. Sie haben einen guten Überblick über alle eingesetzten Geräte und über deren tatsächliche Nutzung. Sie haben ein detailliertes Wissen über Tagesabläufe, eigene und individuelle Routinen der Kollegen und kennen die eingespielten Prozesse, die sich üblicherweise dynamisch ändern. In den durchgeführten Arbeitsplatzstudien konnte aufgedeckt werden, dass aufgrund mangelnden Feedbacks über den persönlichen Energieverbrauch ein Überdenken von relevanten Verhaltensweisen so gut wie gar nicht stattfindet.

Nutzt man jedoch SmartMetering Technologien, ermöglicht die Zuordnung von Verbräuchen zu Geräten und stellt diese Informationen dann in angemessener Weise den Mitarbeitern zur Verfügung, ist damit eine Grundlage geschaffen, um schrittweise einen Kompetenzaufbau hin zu einem betrieblichen Energiebewusstsein einzuleiten. In den vom Fraunhofer FIT durchgeführten Studien konnte gezeigt werden, dass die befragten Mitarbeiter sehr wohl notwendigen Energieverbrauch von verschwenderischem Umgang zu unterscheiden wussten und in der Folge selbstständig Einsparmaßnahmen eingeleitet haben. Für bestimmte Büroräume führte dies zu einer Einsparung von bis zu 28 % gegenüber Vergleichsmessungen vor Beginn der Studie. Diese wurden vor allem durch einfache Veränderungen in alltäglichen Verhaltensweisen wie beispielsweise, das vollständige Abschalten bestimmter Geräte außerhalb der Arbeitszeiten, herbeigeführt.

Management- und Mitarbeiterkompetenz zusammendenken

Die durchgeführten Studien konnten zeigen, dass Maßnahmen des „GreenIT“, wie die Erneuerung und Modernisierung der ITInfrastruktur, nur eine Maßnahme von weiteren sein kann, um den Energieverbrauch im Bereich der Büroarbeitsplätze nachhaltig zu reduzieren. Daher ist das individuelle Verhalten der Mitarbeiter eine nicht zu vernachlässigende Größe in der Verminderung des Energieverbrauchs. Bessere Informationen über den Energieverbrauch einzelner Geräte auch Mitarbeitern zugänglich zu machen und damit die Voraussetzung für die Schärfung des individuellen Energiebewusstseins zu schaffen, wird durch SmartMetering und geeigneten Mitteln der Informationsdarstellung ermöglicht. Neben den Kostensenkungspotentialen durch die Stimulation veränderter Verhaltensweisen sollte der Kompetenzaufbau bei allen Beschäftigten auf allen Ebenen nicht unterschätzt werden.

matthias.betz@fit.fraunhofer.de
tobias.schwartz@fit.fraunhofer.de

Ausgabe η[energie] 1 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe η[energie] 1 / 2010.
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