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Was ist eigentlich Wind?
Was ist eigentlich Wind?
Mal weht er mehr, mal weht er weniger. An der Küste führt er zu Urlaubsstimmung, zur Energiegewinnung ist er Gold wert. Der Wind ist unser täglicher Begleiter und gehört zu unserem Leben dazu wie die Sonne und das Wasser. Aber was ist eigentlich dieser Wind? Wie entsteht er und was kann man sich darunter vorstellen? Alexander Lehmann klärt auf und bietet uns einen Einblick in dieses schier unerschöpfliche Thema.
Wind ist im Grunde nichts anderes als der Ausgleich zwischen unterschiedlichen Druckgebilden. Ein „sichtbares“ Beispiel für diesen Druckausgleich in der Luft bietet Wasser. Wenn Sie beispielsweise eine Badewanne durch eine Trennwand in zwei Hälften teilen und diese beiden Hälften mit unterschiedlichen Mengen an Wasser füllen, wird das Wasser beim Herausnehmen der Trennwand vom hohen zum niedrigeren Druck fließen, also in den Bereich, in dem sich weniger Wasser befindet. Die Massen- und damit die Gewichtsdifferenz zwischen den beiden Druckgebilden nehmen zusätzlich Einfluss. Wenn deutlich mehr Wasser hin zu deutlich weniger Wasser fließt, erhöht sich entsprechend auch die Fließgeschwindigkeit. Ähnlich ist es beim Wind, denn Wasser und Luft haben ein bestimmtes Gewicht und damit auch einen spezifischen Druck.
Um Windgeschwindigkeiten und von diesen abgeleitet auch Windstärken prognostizieren zu können, muss demnach der Luftdruck ermittelt werden. Der Luftdruck wird mit einem Barometer gemessen. Dies geschieht zum einen an lokalen Wetterstationen in Bodennähe. Da sich die eigentliche Wetterküche aber in höheren Schichten der Atmosphäre befindet, sind zum anderen auch Messungen in diesen Schichten unabdingbar. Die Luftdruckmessung (sowie die Messung weiterer Parameter) erfolgt hier mithilfe von Radiosonden – mit Messgeräten also, die mit einem Ballon aufsteigen. Hat man den Luftdruck bestimmt, so lässt sich mit den Angaben eine Isobarenkarte erstellen. Isobaren (weiße Linien auf der Isobarenkarte) sind Linien gleichen Luftdruckes, d.h. entlang dieser Linien ist der Luftdruck konstant. Auf der Isobarenkarte (gerne auch „Wetterkarte“ genannt) ist das Tief durch ein T, das Hoch durch ein H gekennzeichnet.
Je mehr Isobaren, desto größer sind die Luftdruckunterschiede und es muss daher mit stärkerem Wind gerechnet werden. Je weniger Isobaren, desto geringer sind die Luftdruckunterschiede in einem bestimmten Gebiet und damit auch die hier zu erwartenden Luftbewegungen. Die Luftmassen strömen immer von einem Hochdruckgebiet zu einem Tiefdruckgebiet (denken Sie an die Badewanne). Dabei strömt die Luft allerdings nicht auf direktem Wege vom Hoch zum Tief, denn auf dem Weg dorthin ist sie einer Kraft ausgesetzt, durch die die Luftteilchen permanent abgelenkt werden.
Diese Kraft ist die Corioliskraft, benannt nach ihrem Entdecker G.G. de Coriolis (1792–1843). Sie lässt sich auf das Prinzip der Trägheit der Masse zurückführen. Eine Masse ist immer bestrebt, ihre Geschwindigkeit und ihre Richtung beizubehalten. Insofern werden auch die Luftmassen in Bezug auf Richtung und Geschwindigkeit durch die Erdrotation beeinflusst. Daraus ergibt sich auf der Nordhalbkugel eine Ablenkung der Druckausgleichsströmungen (Winde) nach rechts. Auf der Südhalbkugel erfolgt die Ablenkung nach links.
Diese Gesetzmäßigkeit wirkt überall in der Atmosphäre, wenn Luftteilchen sich bewegen, daher auch in jedem lokalen und globalen Windsystem. Eine Konsequenz dieser Gesetzmäßigkeit ist in unseren Breitengraden die oft vorherrschende sogenannte Westwindwetterlage; hierbei handelt es sich um ein großräumiges Wetterphänomen. Auch bei der im Verhältnis eher kleinräumigen Luftzirkulation um Hoch- und Tiefdruckgebiete wirkt sich der Einfluss der Erdrotation aus. So zirkuliert die Luft um ein Hoch auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn, um das Tief im Gegenuhrzeigersinn. Auf der Südhalbkugel verhält sich diese Luftzirkulation umgekehrt.
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