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Energieeffizienz - Interview mit Dr. Georg Kofler
Energieeffizienz - Interview mit Dr. Georg Kofler
Energieeffizienz ist zu einem Schlüsselbegriff der aktuellen energie- und klimapolitischen Diskussion geworden. Ihre praktische Realisierung in Industrie, Gewerbe und im privaten Bereich erfordert Unternehmerpersönlichkeiten als Impulsgeber, die ein Gespür für Märkte, ??[energie]: Sie arbeiteten nach dem Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften in Wien sowie Promotion 1983 viele Jahre sehr erfolgreich in der Medienbranche, haben Fernsehsender gestartet und an die Börse gebracht. Nun sind Sie seit gut zwei Jahren mit der Kofler Energies AG im Energiemarkt auf Wachstumskurs. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?* Dr. Kofler: Erfolg ist kein Mysterium. Er stellt sich ein, wenn ein Unternehmer an eine Idee glaubt, mit Konsequenz und Ausdauer an ihrer Realisierung arbeitet, Mut besitzt, Risiken einzugehen und Entscheidungen zu treffen. Wie konnten Sie in so kurzer Zeit energetische Expertisen in unterschiedlichen Bereichen in Ihrem Unternehmen aufbauen? Wir haben in den vergangenen zwei Jahren gezielt in die Akquisition von Unternehmen investiert, die uns eine führende Kompetenz im Bereich der Energieeffizienz für Gebäude, im Energiehandel und im Energiecontracting verschaffen. Es ist mir gelungen, Experten aus der Energiewirtschaft an unser Unternehmen zu binden. Beispielsweise ist der ehemalige Yello Chef Dr. Peter Vest der Vorstand Privatkunden und Energiehandel. Er ist einer der führenden Fachleute im deutschen Energiemarkt. Er kennt die Strukturen der Energiewirtschaft und setzt seine Expertise zum Vorteil für unsere Kunden ein. Dieses Wissen nutzt er auch, um mit dem Kofler Energies Club Energiemanagement aus der Perspektive der Endverbraucher zu betreiben … Wie fügt sich Ihr Geschäftsmodell in den Klimaschutz ein? Mindestens zwei Drittel der Klimaschutzziele 2050 müssen durch Energieeffizienz erreicht werden, ein Drittel mit regenerativen Energien. Mit anderen Worten: Der beste Klimaschutz ist Energie, die nicht gebraucht und daher erst gar nicht produziert wird. Doch Klimaschutz kann auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn er sich auch wirtschaftlich trägt. Umweltbewusstsein alleine reicht nicht. Unternehmertum, Marktchancen und Rendite müssen dazukommen. Dann trifft Ökonomie auf Ökologie. Wir brauchen eine ökologische Betriebswirtschaft für den globalen Umweltschutz. Da sind wir angesiedelt. Wie gliedert sich Ihre Unternehmensorganisation? Die Kofler-Gruppe ist in fünf Geschäftsfelder organisiert: Ingenieure und Technologie, Energieeffizienz für Geschäftskunden, Energieeffizienz für Privatkunden, Energiehandel sowie Energieeffizienz International. Bei Letztgenannten wollen wir Energieeffizienz made in Germany ins Ausland exportieren Der große österreichisch-amerikanische Ökonom Joseph Schumpeter verstand Innovationen als Auslöser für schöpferische Zerstörungen, die von Unternehmen vorangetrieben werden, um sich auf dem Markt zu behaupten. Eine Zahl von 500 Energiedienstleistern in Deutschland wurde 2009 auf der Hannover Messe im Rahmen der Übergabe der Energy Efficiency Awards genannt. Was ist das kreativ Neue, das innovative Element der Kofler Energies AG?
Unser Alleinstellungsmerkmal besteht zum einen in der Kombination führender Fachleute aus der Energiewirtschaft sowie hervorragendem Ingenieurs- und Kommunikations- Knowhow. Zum andern kennzeichnet uns ein schneller Entscheidungsablauf, gepaart mit einzigartigen Produkten. Beispiele: Nur bei Kofler Energies gibt es ein Referenzprojekte sind immer Indikator und Katalysator für die Geschäftsentwicklung. Welche beispielhaften Wegmarken haben Sie bereits aufgestellt? In der Aufbauphase von etwas mehr als zwei Jahren konnten wir unsere energetische Kompetenz mit 500 realisierten Projekten in unterschiedlichsten Bereich unter Beweis stellen. Dementsprechend beinhaltet unsere Referenzliste Labore, F&E, Kulturund öffentliche Gebäude, Bank- und Bürogebäude, Einrichtungen des Gesundheitswesens, Hochhäuser oder Verkehrsbauten. Beispielsweise die energetische Sanierung des Terminals 1 am Frankfurter Flughafen, Europas größtes Einzelprojekt für Energieeffizienz. Oder die energetische Sanierung der Staatsbibliothek zu Berlin. Wer sich bei Projekten mit den höchsten Schwierigkeitsgraden auszeichnet, ist für den unternehmerischen Alltag gewappnet. Betrachten wir einen konkreten Fall. Bei einem großen Stadthotel steht eine energetische Sanierung an. Welche Schritte sollte der Geschäftsführer des Hotels im Idealfall mit der Kofler Energies AG gemeinsam gehen? Nach der Anfrage würden wir als Erstes eine energetische Analyse des Hotels erstellen. In deren Verlauf untersuchen wir jedes Element des Energiemanagements von den Energiebezugsverträgen bis hin zur technischen Energielage des Gebäudes. Auf der Basis dieser Bestandsaufnahme kommen wir mit Vorschlägen für ein Maßnahmenpaket zum Kunden zurück. Dabei ist unser Grundservice der erste Schritt, um dem Kunden aufzuzeigen, wie er künftig Strom und Gas bzw. Öl mit uns preiswerter einkaufen kann. Der nächste Schritt besteht in der tatsächlichen Reduzierung des Verbrauchs. Diesbezüglich erläutern wir dem Kunden die Energieeinsparpotenziale und Kosten der zugeordneten technischen Maßnahmen und unterbreiten Finanzierungs- und Ausführungsvorschläge. Wie wird Ihre Leistung vergütet? Aus dem erzielten Einsparpotenzial. Das ist unsere Existenzgrundlage. Werden durch unsere Leistungen beispielsweise 20 Prozent an Energie bzw. 200.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr eingespart, dann teilen wir diesen finanziellen Ertrag partnerschaftlich 50:50. Also 100.000 € für den Kunden und 100.000 € für uns. Das genaue Verhältnis ist im Einzelfall natürlich unterschiedlich, abhängig von unserem Aufwand. Wir sind aber immer motiviert, bei der Steigerung der Energieeffizienz möglichst kreativ und vor allem erfolgreich zu sein. In der Folgezeit betreuen wir die Anlage. Wir machen transparent, wie sich der Energieverbrauch entwickelt. Ziel ist, ihn langfristig im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses niedrig zu halten. Unser Geschäftsmodell ist nicht ein einmaliger Eingriff, sondern ein langfristiges Konzept im Sinne eines partnerschaftlichen Energiecontractings. Damit gewährleisten wir die Energieversorgung des Kunden nachhaltig auf hoher Effizienzstufe. Kurz: Wir teilen die Einsparung und investieren in die technischen Systeme. In der Immobilienwirtschaft wird neben der örtlichen Lage auch die Energielage des Objektes zunehmend zum Bewertungskriterium. Welches Einsparpotenzial sehen Sie durch Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudemanagement in Deutschland? Die Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden ist Europas größte Energiequelle. Sie bildet unseren Geschäftsfokus. Energieeffizienz in Gebäuden ermöglicht im Vergleich zu anderen Verbrauchssektoren die mit Abstand größten Einsparpotenziale. Sie kann am schnellsten, am einfachsten und am günstigsten erschlossen werden. Jede gesparte Kilowattstunde beim Endverbraucher vermeidet drei bei der fossilen Energieumwandlung. Wir können die Technologie von heute verwenden, wobei die Wertschöpfung im Lande bleibt. In Zeiten der Konsolidierung öffentlicher Haushalte sollten wir uns an eine alte wirtschaftspsychologische Erfahrung erinnern: Der Kopf denkt, der Geldbeutel lenkt. Energieeffizienzmaßnahmen können mit einem Bruchteil der öffentlichen Förderung alternativer Energien auskommen … Darf ich Sie an die normative Kraft von Zahlen und Einheiten erinnern? Gewiss, das macht die Problematik noch anschaulicher. 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs entfallen auf den Gebäudebestand. Durch Steigerung der Energieeffizienz kann der Energieverbrauch um 30 bis 40 Prozent gesenkt werden. Das geschätzte Einsparpotenzial für Deutschland beträgt 20 bis 30 Mrd. Euro pro Jahr. Die Kosten pro eingesparte Megawattstunde (MWh, Einfügung der Redaktion) betragen bei Strom 15–20 € und bei Wärme 5–10 €. Dagegen belaufen sich die Kosten pro erzeugte Megawattstunde bei Photovoltaik auf 320–430 €, bei Biogas auf 100–180 €, bei Geothermie auf 100–150 €. Wind on-shore schlägt mit 90–110 €/MWh zu Buche, fossile Wärme mit 50–75 €/MWh und fossiler Strom, produziert aus Kohle, Gas oder Öl, im Mittel mit 50 €/MWh. Im Ergebnis ist der rentabelste Weg zu mehr Energieeffizienz die Modernisierung der energetischen Anlagen von Heizung, Kühlung, Lüftung und Licht.
*Ist die öffentliche Hand ein Vorbild in Sachen Energieeffizienz?* Neben Geschäftskunden haben Sie neuerdings auch Privatkunden als eine Zielgruppe identifiziert. Unser neuer Energiesparclub startet am 7. Oktober 2010. Das soll der ADAC der privaten Energiesparer werden. Damit wollen wir unser Unternehmen zur führenden Marke für Energieeffizienz in Deutschland ausbauen. Jedem Mitglied garantieren wir bereits im ersten Jahr eine Einsparung von mindestens 150 Euro – das Doppelte des jährlichen Mitgliedsbeitrages in Höhe von 75 Euro. Doch die tatsächliche Erwartung liegt bei 500 Euro. Zum einen durch den günstigen Einkauf von Strom und Gas, zum anderen durch Transparenz und intelligentes Energiemanagement. Zusätzliche Einsparungen werden durch kompetente Beratung, speziell entwickelte Energiesparpakete und ein neues Produktsortiment erzielt, das den Endverbrauchern professionelle Energiespartechnologien zu erschwinglichen Preisen bietet. Kofler Energies AG in vorläufigen Zahlen 2010? Für das Geschäftsjahr 2010 erwarten wir einen konsolidierten Umsatz von 200 Millionen Euro und ein positives EBITDA. Die Geschäftsfelder „Ingenieure und Technologie, Energieeffizienz für Geschäftskunden sowie Energiehandel“ werden in 2010 mit einem positiven Ergebnis abschließen. Der in diesen Geschäftsfeldern erwirtschaftete Umsatz liegt in der Größenordnung zwischen 160 und 170 Millionen Euro. In diesen drei Segmenten werden rund 2 000 Kunden mit über 10.000 Objekten betreut. Die Mitarbeiterzahl verdoppelte sich von 110 in 2008 auf 220 im Geschäftsjahr 2009. Ende 2010 werden wir mehr als 300 Mitarbeiter direkt beschäftigen.
Energie braucht Kommunikation. Herr Dr. Kofler, danke für dieses Gespräch. |
Ausgabe η[energie] 4 / 2010Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download |



